Jetzt sind die Bienen (und natürlich viele anderen Insekten) wieder aktiv und fliegen umher. Das letzte Bienenjahr endete Mitte August. Ab diesem Zeitpunkt sterben die allermeisten Honigbienen nach und nach ab. Waren es im Juni und Juli noch bis zu 50.000 Bienen (inklusive ein paar Hundert männlichen Drohnen und einer Königin, die täglich bis zu 2000 Eier legte) im Bienenstock, so reduziert sich ihre Zahl bis Ende November auf etwa 5000. Die Männer, die das ganze Jahr über von den Damen durchgefüttert wurden, wurden schon lange vorher kaltgestellt, indem man sie nicht mehr fütterte. Die übrig gebliebenen Damen halten aber keinen „Winterschlaf“, sondern ihre Aufgabe ist es, mit den eingelagerten Honigvorräten die Königin zu füttern und immer schön warm zu halten. Pollen oder Nektar sammeln können sie eh‘ nicht mehr, da nichts mehr blüht. Die letzten Pflanzen im Bereich vieler Bienenstände sind die Goldrute und das indische Springkraut, daher sieht man oft im Spätherbst noch Bienchen mit einer „goldenen“ oder rötlichen Hose durch die Gegend fliegen. Die Aufgabe des Imkers ist es in den Wintermonaten, seine Völker gegen die bösartige Varroa-Milbe zu „schützen“, dies tut er im Frühjahr mit Ameisensäure, im Winter mit Oxalsäure. Vor der Winterruhe muss der Imker seine Bienen noch zählen oder wiegen und überprüfen, ob sie genügend Futter eingelagert haben. Sollte die Menge nicht passen, muss er mit spezieller Zuckerlösung nachfüttern. Zudem sollte er das Flugloch mit stabilem Maschendraht gegen Mäuse verschließen, die nisten sich nämlich zu gerne in Bienenstöcken ein und „laben“ sich nicht nur an den Honigvorräten, sondern fressen auch sämtliche Bienen auf. Das Ergebnis im Februar, wenn der Imker das erste Mal in die Waben hineinschaut ist dann ein großes Loch, in dem die Maus überwinterte und ein ansonsten leerer Bienenkasten. Das Gleiche gilt für die Abwehr von Grünspechten und Kohlmeisen. Die Meisen klopfen so lange im Eingangsbereich, bis die Bienen herausmarschiert kommen und dort gefressen werden. Die Spechte hämmern große Löcher seitlich in die Beuten, entweder vom Stress oder gleich direkt vom Specht sterben die Bienen. Als Abwehr helfen nur stabile Netze.
Leider haben wir seit Jahren keinen „normalen“ Winter mehr, in dem es im Januar knackig kalt ist. Die Bienen halten – so denn genügend Futter da ist - locker bis minus 25 Grad aus: sie sitzen in einer engen Traube, in der Mitte die Königin, alle anderen schlagen mit den Flügelchen und erzeugen so Wärme. Wer ganz außen saß, darf immer weiter in die Mitte wandern. Doch in den letzten Jahren gab es schon im Januar Tage mit über 10, 12 Grad plus und Sonnenschein – das ist das Zeichen für die Bienen, dass sie zum Sammeln ausfliegen können. Doch im Januar oder Februar blüht noch nichts, die ersten Winterlinge und Krokusse kommen erst Ende Februar. Also muss der Imker wieder einspringen und zur Not seinen Damen nachfüttern. Doch jetzt ist warm, Vieles blüht und die Bienen-Königin legt wieder - das neue Bienenjahr hat begonnen!